Angekommen
Es war ein anstrengender Tag mit 1000 neuen Sachen. Das Einchecken ins Flugzeug wäre an sich kein Problem gewesen, wenn sich die Fluggäste aus Indonesien mal an das gehalten hätten, was über sie im Reiseführer steht: Gelassenheit und Ruhe, keine Hektik. War aber nix. Sobald das Einsteigen ausgerufen wurde, brachen die Heerschaaren los, Menschenmassen, die verzweifelt versuchen, die letzten Plätze im Flugzeug zu erreichen … ähm, die haben Sitzplatzreservierung? Na gut, dann muß es andere Gründe haben, aber die Apokalyptischen Reiter wirbeln nicht so viel Staub auf wie die Passagiere einer Boeing 777.
Beim Betreten des Passagierrüssels, der die Leute ins Flugzeug bläst, mußte jeder nochmal seinen Boardingpaß vorzeigen, also den kleinen Zettel, wo der Flug draufsteht -- nicht daß vor lauter Begeisterung und Herdentrieb irgendwer ins falsche Flugzeug einsteigt --, natürlich hatten die wenigsten ihn bereit, so daß das ganze noch weiter verzögert wurde und die zuständige Aufsichtsperson, die vorher zwei Stunden lang nichts zu tun hatte, außer ein Photo von einem komischen Touristen vor dem Gateschild zu machen, auf einmal umgekehrt proportional zur Zeit Tickets kontrollieren mußte. Im Flugzeug ging das Chaos dann weiter: jeder setzte sich erstmal irgendwo hin, bis jemand anders den Sitzplatz beanspruchte und drei Stewardessen befragt werden mußten, wo denn der richtige Sitzplatz sei, meist mußte sie den/die Passagier/in auch noch auf den Platz bringen. Nur Anschnallen hätte noch gefehlt. Ich saß in Reihe 44, weit genug hinten, um jemanden zu haben, der meinen Platz besetzt. Ein schöner Fensterplatz. Neben mich setzten sich noch zwei junge Damen, eine voll verschleiert und komplett in schwarz, nur die Augen schauten heraus, eine ohne Kopftuch. Schräg gegenüber in der Sitzreihe nebenan saß noch eine weitere, die auch dazugehörte, mit “normalem” Kopftuch. Die drei haben die ganze Zeit miteinander getuschelt und versucht, sich mit mir zu unterhalten, aber mangels Sprachkenntnissen kamen wir nicht weiter als über den Namen hinaus. Von der ersteren habe ich leckere Schokosüßigkeiten bekommen, weiß nicht genau was das ist, kann die Sprache ja noch nicht; bappig süß war es auf jeden Fall. Und wie mir prophezeit worden ist: in der Fremde ist man selber fremd, so daß die drei Mädels auch noch Photo mit mir machen wollten. Naja, mir solls recht sein.
Zum Glück bin ich mit der gleichen Airline wie vorher auch geflogen, so daß ich den im ersten Abschnitt angefangenen Film weiterschauen konnte. Da die Uhrzeit aber zwischen 0225 Uhr (Ortszeit Abu Dhabi) und 1320 Uhr (Ankunftszeit zur Ortszeit Jakarta) war, habe ich versucht etwas zu schlafen.
Über den Wolken geht die Sonne um etwa 0500 die Sonne auf, aber dafür gibt es ja vorteilhafte Sonnenblenden, die man herablassen kann. Insgesamt kann man sagen, daß das Schlafen in der Holzklasse im Flieger sich auch so anfühlt. Wenn ich mal groß bin, erfinde ich was, daß man das Knie auch nach oben hin abbeugen kann, und nicht nur nach unten, das wäre nämlich bei so engen Sitzabständen viel zweckdienlicher.
In Jakarta angekommen war die erste Hürde der Zoll. Neee, das war einfach, die haben meinen Rucksach durchleuchtet und dann war ich frei. Davor was. Immigration vielleicht? Nee, das war einfach, Visum hatte ich schon, der hat da noch einen Stempel draufgemacht, fertig. Noch davor was. Noch im Flugzeug. Wir erinnern uns: die Meute. Man sollte meinen, daß Aussteigen vom Prinzip her einfacher als Einsteigen ist, da ja niemand seinen Platz suchen muß. Isses aber nicht. Es funktioniert so: alle Leute machen ihren Anschnallgurt auf, bevor das Flugzeug seine endgültige Parkposition erreicht hat. Böse! Also die Stewardess kann ganz schön böse rumschreien, wenn das jemand macht. Wenn sie dann endlich dürfen, stehen einige Leute auf und nehmen ihr Gepäck aus der Gepäckablage und stellen sich in den Gang, und zwar dahin, wo noch Lezte sitzen, die ihr Gepäck noch nicht aus der Gepäckablage geholt haben, es aber gerne würden, aber nicht können, da da ja schon Leute stehen. Und so weiter. Zusammenfassen kann man sagen: Chaos beim Ein- und Aussteigen.
Nach dem Aussteigen also durch die Immigration, Gepäck holen (das war schon da, dank überlegener Aussteigetaktik), durch den Zoll “Nothing to declare”, und dann stand da auch schon Didi mit einem Schild mit meinem Namen und einem uralten Bild von mir drauf, um mich abzuholen. Seeehr schön, das hat geklappt! Er hatte noch seine Freundin dabei, Didi hat ein Taxi bestellt und wir sind nach Jakarta reingefahren.
Das Fahren in Jakarta ist so eine Sache. Man sollte es beherrschen, sonst ist total vorbei. Es herrscht Linksverkehr, wobei man sagen sollte: tendentiell ist die grundsätzliche Idee, daß man sich hier auf den Straßen links bewegt. So legen das sie Verkehrsteilnehmer zumindest aus. Mit dem Auto geht das ja noch, aber mit den allseits beliebten Motorrädern und Motorrollern, die ungefähr im Verhältnis 10 zu 1 den Autos überlegen sind, kann man halt so gut die Lücken links, rechts und in der Mitte ausnutzen und um andere Autos, Motorräder und Motorroller oder auch Handkarren herumfahren. In den Autos gibt es auf den Rückbänken meist keine Anschnallgurte, und die vorne werden nicht benutzt. Geht auch gar nicht, denn so viele Leute wie auf einen Sitz passen sind keine Anschnallgurte vorhanden. Zwei Kinder brauchen so viel Platz wie ein Jugendlicher, und zwei Jugendliche so viel wie ein Erwachsener, zusätzlich können Jugendliche und Erwachsene natürlich Kinder noch auf den Schoß nehmen. Paßt also viel rein in ein Auto. Ebenso bei den Motorradrollern: einzelne Personen sind seeehr selten zu sehen, Standard sind zwei, und oft passen auch bis zu vier Leute drauf, und zwar so: eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und zwei Kindern: der Vater fährt und lenkt, vor ihm sitzt das größere Kind, hinter ihm das kleinere Kind und dahinter die Mutter. Paßt alles. Helmpflicht gibt es offensichtlich nicht, dafür aber wohl Brillenpflicht. Ist vielleicht auch ganz gut bei dem Dreck in der Luft. Wenn man abbiegen möchte (mit dem Auto) muß man frühzeitig anfangen zu blinken, dann einfach die Spur wechseln, ohne auf die Motorräder zu achten (die achten offensichtlich auf sich selbst), und ab und zu mal hupen, wenn ein Motorrad zu nahe kommt. Bis zuletzt wird man von beiden Seiten überholt, Abhilfe: hupen. Wenn man Pech hat, ist die Straße, in die man einbiegen möchte, verstopft, das heißt dann: einfach hinten anstellen, die Motorräder finden schon ihren Weg außenrum. Merke: auch wenn es eng ist, ein Motorrad paßt immer noch durch.
Laut Aussage von Didi ist im Moment wegen der Feiertage wenig bis gar nichts los auf den Straßen.
Ach ja, Feiertag: Im Moment wird das Ende des Ramadan gefeiert “Iedhul Fitri” oder “Ied Mubarak” genannt. Das dieser Tage stattfindende Fest feiern alle Muslime mit ihren Familien, wie lange das genau dauert konnte mir niemand sagen, feiert wohl jeder unterschiedlich lange.
Nachdem die Taxifahrt überstanden war, sind wir in Taman Puspa angekommen, das ist eine Wohnsiedlung in Depok, was wiederum ein Stadteil oder Bezirk von Jakarta ist. Ich wurde sehr herzlich von vielen Leuten empfangen, es waren Anna und ihr Mann Karman da, außerdem Niar und Edi sowie Sigid. Anna und Niar können gut Englisch, und mit Sidig werde ich Bahasa Indonesia lernen, im Ausgleich bringe ich ihm noch etwas besser Englisch bei. Sigid wohnt direkt schräg gegenüber, er sagt, ich kann jederzeit zu ihm kommen, dann können wir was unternehmen. Anna und Karman wohnen ein paar Straßen weiter und Didi wohnt ebenfalls in der Nähe, gegenüber von Made (aber der wohnt ja zur Zeit in Deutschland). Wo Edi wohnt, hat er mir gar nicht gesagt. Mit mir im Haus wohnt noch eine Art Hausmeister, Pak Maman (Herr Maman). An ihn soll ich mich wenden, wenn es Probleme gibt, allerdings spricht er nur Bahasa Indonesia … also heißt das für mich: schnellstens lernen.
Das Haus hier, das Gästehaus der Universitas Gunadarma (UG) ist sehr schön groß, allerdings ist es wohl schon eine Zeit lang nicht mehr bewohnt worden und dementsprechend etwas heruntergekommen. Die Leute, die mich empfangen haben, haben aber kräftig geputzt und gemacht und alles soweit hergerichtet, daß ich hier wohnen kann. Die Klospülung muß man manuell füllen, und die Dusche muß wohl auch noch etwas hergerichtet werden, mal schauen, wie die so funktioniert. Eine Kakerlake hat sich im Bad rumgetrieben, aber dafür gibt es eine große Sprayflasche. Kräftig aus geringer Enfernung sprühen, und schon nach kurzer Zeit liegt die Kakerlake, alle sechse von sich gestreckt, auf dem Rücken. Und für hinterher gibt es dann eine zweite große Sprayflasche, mit Lufterfrischer. Zusammen ein unschlagbares Teamn.
Nachdem ich mein Zimmer bezogen habe und einen Schlüssel zum Abschließen bekommen habe, sind wir erstmal in die Stadt gefahren, zur Mall, um Krams zu besorgen, was zu Essen und insbesondere ein Handy, Festnetztelephonie gibt es hierzulande anscheinen nur sehr selten.
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- Angekommen Endlich geschafft, im weichen Hotelbett, im klimatisierten Hotelzimmer angekommen. Puh, lange hats gedauert. So einigermaßen pünktlich um 19 Uhr war der Flieger da und wir konnten einsteigen. Ein bißchen übers Flugfel
Weblog: Blog Indonesia
Tracked: Nov 30, 18:16
Comments
- Helke und Wolf Lehmann says:
#1 2008-10-09 22:44 | Lieber Arne,
Deine Geschichte zu “Angekommen” ist einfach köstlich und wir hatten viel zu lachen….
Weiter so! Wäre das nicht etwas für das Darmstädter Echo,damit es mal interessant wird!
Kommen gerade aus Kanada und haben das Ein- und Aussteigen in den Flieger in ähnlicher Form erleben dürfen…
Gruß Helke und Wolf