Gunung Sibayak

Wir haben heute das gemacht, was man laut Reiseführer hier in der Gegend als einziges machen kann: Berge besteigen. Wir sind auf den Gunung Sibayak (Gunung = Berg) hochgekraxelt. Hierfür haben wir uns einen Bergführer angemietet, der uns den weitern und beschwerlichen Weg durch den sumaterischen Dschungel zum Krater gezeigt hat.

  

Zuerst mußten wir aber zum Fuße des Berges kommen, dies haben wir mit Hilfe eines dieser berüchtigten Busse hinter uns bekommen. Hier eine Ansicht von innen, wir saßen ganz hinten. Oben auf dem Dach wird das Gepäck transportiert, ab und zu auch Personen, wenn drinnen zu voll ist. Wobei in so einen Bus eine ganze Menge reinpaßt, es gibt nämlich keinen Mittelgang, dieser wird durch umklappbare Rückenlehmen substituiert. Viel Platz ist nicht, Indonesier sind ja nicht so groß, insbesondere in der Höhe nicht. Ich hingegen habe fast mit dem Kopf die Decke berührt, gefährlich bei der Fahrt durch Schlaglöcher, da wird man schon mal durch die Gegend geschleudert und stößt sich den Kopf oben an. Also gut festhalten, oder noch besser: einquetschen lassen von anderen, dann passiert sowas nicht. Zum Glück durften wir nach 20 Minuten wieder aussteigen, durch die mit einem Vorschieberiegel verschlossene Tür mit dem klapperigen Fenster … uuuh.

 

Wir im Bus, man beachte die luxuriöse Kopffreiheit. Nicht im Bild: die Beinfreiheit, da nicht vorhanden.

 

Unser Bus im Fortfahren. Draußen hängt der Gehilfe, der die Türen öffnet (wir erinnern uns: Riegel) und kassiert. Außerdem ist er für die “Werbung” zuständig, ruft also allen am Fahrbahnrand stehenden Leuten das Fahrziel zu, ob sie es wissen wollen oder nicht. Könnte ja passieren, daß jemand vergessen hat, wohin die einzige Buslinie auf dieser einzigen Straße weit und breit fährt und Lust bekommen, spontan eine kleine Reise zu unternehmen.

 

Nach dieser aufregenden Busfahrt sind wir am Aufstieg zum Berg angekommen, unten haben wir uns in ein Buch eingetragen und noch einen kleinen fünfstelligen Betrag gespendet (hört sich viel an, fünfstellig … sind aber nur 70 Cent).

Hier schonmal ein bißchen Ausblick, den wir später noch aus mehr Höhe haben werden:

 

Tiefe Schluchten mit reißenden Flüssen erwarten uns …

 

… nicht, dafür dichter Urwald mit fiesen Schlingpflanzen, jederzeit bereit, Knöchel zu umschlingen und einen zu Boden zu reißen. Daher: Schauen wo man hinläuft und Füße heben. Das kennt man ja schon von den normalen Straßen mit den Löchern im Bürgersteig, Dschungel hat zusätzlich nocht den Nachteil, daß die Gefahr nicht nur von unten, sondern auch von oben lauert: Äste, Stämme, Lianen, Stachelige Farne, alles was man so aus dem Fernsehen (nein, nicht das Dschungelkämp) kennt.

 

Der Weg war recht gut beschildert und mit Bändern gekennzeichnet, verlaufen fällt schwer.

 

Mühsamer Aufstieg:

 

Tierpfoten im tiefen Schlamm. Tiere haben meist den Vorteil, nicht so schwer wie Menschen zu sein, unsere Abdrücke waren tiefer und die Schuhe danach dreckig.

 

Folge den Spuren:

 

Gitte kämpft sich tapfer voran:

 

Und da sag mal einer, die hätten keinen Humor hier :-)

Diese Schilder haben mit Vorliebe in tiefe Schluchten gezeigt.

 

Urwaldriesen:

 

Blick über Baumwipfel, Nebelschwaden steigen auf.

 

Durch tiefe reißende Bäche

 

und über riesige Baumstämme.

 

Lianen. Zum Glück mußten wir da nicht durch sondern konnten außenrum gehen: Macheten hatten wir nicht dabei.

 

Seltene Pflanzen -- zumindest gab es nicht viele davon.

 

Palmenblätter

 

Noch seltenere Pflanzen

 

Schließlich haben wir es geschaft, über die Baumgrenze zu kommen, ab hier nur noch kleines Gestrüp.

 

Freie Sicht auf die anderen Berge außenrum

 

Und noch weniger Pflanzen, hier fing es auch schon an, nach faulen Eiern zu riechen. Bäh!

 

Das Tal:

 

Der Kratersee, rechts davon zischt und stinkt heißer Schwefeldampf aus dem Berg.

 

Die Felsen sind ganz gelb vom Schwefel.

 

Der Kratersee: sehr tief ist er nicht und eigentlich auch kein See, es sammelt sich nur Regenwasser. Wenn mal kein Wasser drinnen ist, legen Besucher Mosaike und Schriftzüge aus Steinen.

 

Heißer Dampf

 

“Wir waren da”

 

Und nicht alleine, eine “Umweltgruppe” aus Jakarta war auch da, “photo mister?” war wieder an der Tagesordnung. Muß ich doch mal Geld für nehmen. Sehr umweltfreundlich hat sich die Gruppe übrigens nicht verhalten, ein paar Plastikflaschen sind zurückgeblieben, von der akustischen Umweltverschmutzung und Nervenzerstörung meinerseits ganz zu schweigen!

 

Noch mehr gelb:

 

Und dann ging es an den Abstieg, den “Touristenweg”, ein so einigermaßen gut erhaltener Fußweg, vorbei an den “hello Mister”-Leuten.

 

Als unser Bergführer uns beim Aufstieg gesagt hat, daß es überall in Indonesien Stau gibt, auch hier am Berg wollten wir das nicht glauben. Zum Glück haben wir nicht gewettet :-)

 

Nachdem wir die Touristengruppe hinter uns gelassen haben, sind wir Richtung “heiße Quellen” gelaufen. Dabei sind wir an diesem Dampfförderort vorbeigekommen, hier wird der heiße Wasserdampf gesammelt und in Rohren durch die Gegend geleitet.

 

Dicke Rohre, extra beschriftet, damit der Dampf weiß, wo er hinmuß, nämlich zum Kraftwerk, wo mit Hilfe von Turbinen erstaunlich viel Strom für große Teile der weiteren Umgebung erzeugt wird.

 

Die heiße Quelle, ich hatte leider keine Badehose dabei, da ich nicht wußte, daß es hier heiße Quellen gibt. Schade, also nur den Fuß reinhalten, war auch gut, insbesondere, da die neuen Schuhe sich anschickten, die Fersen in Blasenfersen zu verwandeln.

 

Und dann waren wir auch schon am Ende unseres Ausfluges angekommen, die letzte Hürde war nun nur noch, nach Hause zu kommen. Einfacher gesagt als getan, es gab zwei Möglichkeiten: Laufen zur nächten großen Kreuzung und von dort wieder einen Bis nehmen, den kennen wir schon von heute morgen, alternativ warten, das das Angkot fährt. Und das fährt, wenn es voll ist, also mindestens neun Fahrgäste vorhanden sind. Als wir ankamen war erst einer da, und wir, macht vier.

 

Also warten und Pop-Mie essen. Das ist hier sowas wie die Königin unter den Fertiggerichten, gibts überall, auch an so entlegenen Orten wie dem, an dem wir gelandet sind. Aufreißen, mit heißem Wasser übergießen, umrühren, fertig. Anbei liegt auch eine Klapp-Plastikgabel als Besteck.

 

Nachdem wir etwa eine Stunde gewartet haben, waren die neun Leute zusammen, und es ging los. Zuerst noch eine Ehrenrunde durchs Ort, etwa 20 Häuser standen an der Straße, eine Seitenstraße ging den Berg hoch, mehr konnte man nicht sehen, also nicht viel. Die “Hauptstraße”, die bei uns eher als Feldweg durchgehen würde, laut hupend einmal auf- und abfahren, dabei noch drei Leute mehr einsammeln. Wieder am Ausgangspunkt angekommen stand noch jemand da, der gerne noch ein paar Sachen befördert haben möchte, also nochmal eine Ehrenrunde, Säcke und Kisten aufs Dach und in den Eingangsbereich, dabei kamen dann noch zwei Leute mehr dazu, so daß am Ende 16 Leute befördert wurden (ohne Fahrer), davon zwei, die draußen am Trittbrett standen und die Ladung auf dem Dach festhielten. Viel zu eng und viel zu lange, gegenüber saß ein etwas beleibteter Herr, der kettegeraucht und auch sonst viel Platz gebraucht hat. Ein Mütterchen hat sich umständlich ihre Frisur in mehreren Schritten gerichtet, eine Jugendliche hat auch Pop-Mie gegabelt (Löffel ist ja nicht) und dann die Packung aus dem offenen Fenster geschmissen, und auch sonst war es eine sehr illustere Gesellschaft. Sehr schön, nur etwas eng. Zum Glück sind wir nicht in Jakarta, da kämen dann nochmal zehn Grad wärme Temperaturen hinzu.

In Berastagi angekommen haben wir im Reisebüro eine Überfahrt für morgen nach Parapat am Toba-See gebucht, völlig überteuert wahrscheinlich, dafür aber mit drei Zwischenstops bei einem historischen Dorf, einem Wasserfall und einem Palast. Man wird sehen.

Anschließen dann noch was Essen, wieder in unserem Lieblingsrestaurant Raymond Café eingekehrt, dieses Mal süß-sauer mit Reis:

 

Sehr lecker, und dazu Unmengen von Jus Markisa.

 

Und ein paar Erinnerungen vom Berg haben wir auch mitgebracht:

  

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